Noch’n Schachgedicht von Adolf Grieser

Hans-Peter Klose (l.) und Adolf Grieser am 24. April 1996
Hans-Peter Klose (l.) und Adolf Grieser am 24. April 1996

Auf unserer Webseite befindet sich das humoristische Gedicht Schach-Quisquilien unseres verstorbenen Mitgliedes Adolf Grieser (* 17. 3. 1913 in Heilbronn, † 3. 8. 2005). Ich selbst habe ihn leider nicht mehr kennengelernt, da ich erst 2006 zum Verein gestoßen bin. Wie ich aber mittlerweile erfahren habe, war es bei weitem nicht sein einziges Schachgedicht. Auf den Weihnachtsfeiern der Seniorenschachgruppe des BSW gab er wohl regelmäßig Proben seines Könnens. Beruflich als Verwaltungsdirektor des Deutschen Theaters kunstnah beschäftigt, betätigte er sich in seiner Freizeit unter dem Pseudonym Ritter Dichtelflink erfolgreich in der Schlaraffia Athenae Gottingenses, also der Göttinger Ortsgruppe der (vorwiegend humoristischen) Kleinkunstvereinigung Schlaraffia, die sich auch auf ihrer Webseite eines recht gewöhnungsbedürftigen Schlaraffenlateins bedient.

Adolf Grieser (l.) und Hans-Peter Klose 1996
Adolf Grieser (l.) und Hans-Peter Klose 1996

Seit ihrer Gründung 1978 bis 1999 gehörte die heutige Schachabteilung des ESV Rot-Weiß Göttingen zum ASC 46 Göttingen bzw. dessen Vorgänger. In der äußerst lesenswerten Chronik zur 150-Jahr-Feier des ASC ist der Schachabteilung leider nur eine Doppelseite eingeräumt. Darin findet sich auch ein wesentlich längeres Schachgedicht Griesers als die Quisquilien. In dieser Zeit, in der soziale Kontakte nur sehr eingeschränkt möglich sind, ist es hoffentlich dazu angetan, die Stimmung etwas zu heben. Und vielleicht mag es den einen oder anderen ja auch anspornen, die Zeit auch nutzen, solche Erinnerungen aus seinem Schachleben mit uns auf der Webseite zu teilen. Für Hilfe stehe ich gerne zur Verfügung. Ich danke Hans-Peter Klose für die Fotos von Grieser und Christoph Homann, der mir die ASC-Chronik geschenkt hat, sehr herzlich.

Schach – ein königliches Spiel

Vorweg gesagt ganz simultan:
uns hat’s das Schachspiel angetan,
die 64 Felder, die erfordern Grips und Phantasie,
erfordern Konzentration und Disziplin!
Des Spielers Lohn:
es ist ein stilles Kräftemessen
in mannigfachen Denkprozessen
und dies in schönster Zweierbindung!
Ein „Jogging“ für die Ganglienwindung!
Auf einem kleinen Areal!
Und ist das Brett auch noch so schmahl –,
es ist für uns die „Welt im Kleinen“!
Leicht zu begehen, möcht‘ man meinen,
doch fast unendlich im Realen
mit vielen Variantenzahlen –.
Schon deshalb ist auch, meiner Treu,
der Spielverlauf fast immer neu;
nie wird man seiner überdrüssig!
Auch d i e Erkenntnis ist hier schlüssig:
bedenke nämlich, Mensch, daß man
auch s c h w e i g e n d etwas leisten kann !
Im lauten Medien-Sport-Gedröhn
ist dieser Fakt besonders schön!
Vom Lärm der Politik zu schweigen!
Der Politik ist dies zu eigen:
tönt lautstark dort ein Tatenschwur,
gebiert der Berg – ein Mäuslein nur!
Das heißt: das Resultat ist schwach!
Viel effektiver ist das „SCHACH“!
Selbst der Verlierer, sieh mal guck,
der freut sich auf den Händedruck!
Bald kann’s sich andersrum erweisen,
wo gibt’s das noch in and’ren Kreisen,
daß solch ein guter Stil sich zeigt!?
Hier ist zu sagen man geneigt:
welch‘ Segen wär’s in jedem Falle,
wenn die Politiker sich alle
hingäben auch dem Königsspiel!
Es wär‘ das allerschönste Ziel,
Konflikte, Kriege und solch Plagen
nur auf dem Schachbrett auszutragen,
dann säh’s auf Erden, ohne Flaus,
wahrhaftig halt viel besser aus!
(Wann dieses sein wird insoweit??
Da schweigt des Sängers Höflichkeit
mit einem resignierten „ACH!“.)
In jedem Falle ist das SCHACH –
ein Denkspiel, das zu aller Frommen!
Probiert es selbst! Ihr seid willkommen!
Und bald erkennt Ihr auf mein Wort:
SCHACH ist ein anerkannter Sport,
macht „graue Zellen“ gar mobil,
kurzum: ein „königliches Spiel“!

Adolf Grieser

1846 bis 1996. 150 Jahre Sportgeschichte des ASC Göttingen von 1846 e. V. und seiner Vorgängervereine

Last Updated on Oktober 10, 2020 by Babette

Noch'n Schachgedicht von Adolf Grieser 1

3 Kommentare

  1. Noch’n Schachgedicht mehr,
    weil’s Spiel gefällt uns sehr.😉

    SCHACHMATT

    Schwarz und Weiß, auf kariertem Feld,
    in Kampfformation aufgestellt.
    Wer hierbei die Würfel vermisst,
    dem etwas, das ist gewiss.

    Könige liebten dieses Spiel,
    Schach dem König des Spieles Ziel.
    Mit Konzentration und Fantasie
    verfolgt man Taktik und Strategie.
    Grünsteinvariante und Gambit
    vorgetragen mit Witz und Esprit.

    Läuferattacken und Rösselsprung
    bringen die Partie richtig in Schwung.
    Die Türme zeigen ihre Schlagkraft,
    schon kleinste Fehler werden bestraft.
    Es wird rochiert, man schlägt en passant,
    opfert Bauern und Dame elegant.

    Sind die Truppen auch arg dezimiert,
    der König wird mutig attackiert;
    dabei in die Enge getrieben,
    bis ihm kein Ausweg ist geblieben.
    Man hat gekämpft und alles gewagt,
    nun wird freudig Schachmatt angesagt.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus der Skatstadt

  2. Als jemand, der Schach und Poesie schätzt, freue ich mich über jedes weitere Schachgedicht von Adolf Grieser. Seine Werke vereinen auf faszinierende Weise die strategische Tiefe des Spiels mit der kreativen Kraft der Dichtkunst, und es ist immer ein Genuss, sie zu lesen und zu erleben.

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