»Sie haben den Schachstil des Erbsenzählens«

Amateur Schachweltmeisterschaft der Amateur Chess Organization [ACO] auf Rhodos vom 20. – 29. April 2019

284 Spieler*innen aus 28 Nationen haben in diesem Jahr an der 8. Amateur Schachweltmeisterschaft [ACO] teilgenommen. In stetem Wechsel fand nach Kos und Kreta dieses Turnier im 5-Sterne Sheraton Hotel auf Rhodos statt.

Die ACO Amateur-WM wird in 7 getrennt voneinander spielenden Ratinggruppen mit 9 Partien ausgetragen. Die größte Gruppe ist wiederholt die D-Gruppe (1600 – 1800 DWZ/ELO; i.d.J. mit 77 Spieler*innen). Der jüngste TN startete mit 7 – der älteste mit 87 Jahren. Das Turnier wird DWZ/ELO ausgewertet.

Der Ablauf- und Programmplan sieht vor, dass an zwei von sieben Tagen Doppelrunden angesetzt sind; an den fünf weiteren Turniertagen finden an den ‚freien‘ Nachmittagen und an den Abenden Blitzturniere (i.d.J: mit über 140 TN) sowie Teamblitzturniere (2er-Teams) statt; zudem bieten der griechische Großmeister Spyridon Skembris und der lettische Großmeister Zigurds Lanka thematisch stets sechs verschiedene Vorträge an.

Am spielfreien Donnerstag war eine organisierte Insel-Rundfahrt in drei Bussen mit jeweils einheimischen Touristenführerinnen angesetzt, wobei insbesondere die Altstadt von Rhodos einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

An den Turniertagen wird von Teilnehmer*innen - als exklusives Angebot - vielfach wahrgenommen, unmittelbar nach einer Turnierrunde von den beiden Großmeistern die eigene Partie analysieren zu lassen.

Gerne habe ich diese Möglichkeit bei Zigurds Lanka in Anspruch genommen. Für mich immer wieder faszinierend, aufgezeigt zu bekommen, was in meinen Partien alles noch möglich war und welche zentralen Aspekte zukünftig besser beachtet werden können.

Bei Zigurds Lanka - sprachlich im ‚lettischen Deutsch‘- hat jeder Bauer entsprechend des Buchstabens der Linie des Brettes einen eigenen Namen; so führt Zigurds z.B. aus, stets launisch und mit Zoten garniert »…warum Harry (der schwarze h-Bauer) in den klassischen Königsindischen Varianten oft daheim bleibt, damit er den ‚Dosenöffnern‘ nicht im Weg rumsteht - dafür beim Trainer auf der Bank sitzen und zusehen darf, wie andere ‚Ersatzspieler‘ eingewechselt werden und dazu beitragen, den Punkt einzufahren und welch wichtige Rolle Garry (der schwarze g-Bauer) dabei spielt ….«, oder, dass »…das Postulat der schnellen Rochade mehr als bedenkenswert ist - es hierzu aber noch keine Theorien gibt…« und ein »…eigener Doppelbauer auf der Seite des gegnerischen Königs als Stärke zu sehen ist und mit 1 : 0 bewertet werden sollte«.

Nach der dritten Analyse meiner Partien kam dann vom Großmeister Lanka - nach einem kurzen Blick, trocken aber mit Sympathie - eine grundsätzliche Anmerkung zu meinem Spiel: »Sie haben einen Schachstil des Erbsenzählens - nach dem Motto: „…ich schlage deinen Bauern, du schlägst meinen Bauern, du schlägst meine Figur, ich schlage deine Figur…“ - wenn Sie das überwinden, liegt viel Potential in Ihrem Schachspiel.«

Nun – ja – denn …. ist dem noch was hinzuzufügen?!?

Arnold

https://amateurchess.com/wp-content/uploads/2018/10/rhodes_2019_ger.pdf

Blick aus dem Hotelzimmer [Foto AO]
Start zur dritten Runde [Foto AO]
Tages-Programm [Foto AO]

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